3 Indizien, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland stockt

Auch aus aktuellen Anlässen und den damit verbundenen hohen Benzinpreisen greifen Menschen in Deutschland vermehrt zu E-Fahrzeugen und benötigen für den Umstieg auf ein Elektrofahrzeug kaum noch Überzeugungsarbeit.

Stattdessen scheint die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Deutschland mit der rasanten Entwicklung der E-Mobilität kaum noch Schritt halten zu können. Wir haben drei Indizien, die dafürsprechen, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland ins Stocken geraten ist.

Gleichzeitig gibt dieser Rückstand genügend Anlass für Unternehmen, selbst Ladedienste anzubieten, um damit Versorgungslücken bei der Ladeinfrastruktur zu schließen und einen wertvollen Nebenerwerb zu erschließen.  

Eins: Aktuelle Zahlen zur E-Mobilität in Deutschland

Sieht man sich die exponentiell wachsenden Neuzulassungen von E-Fahrzeugen (E-Auto und Plug-in-Hybride) an, dümpelt die Kurve für die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur in Deutschland geradezu vor sich hin. Das soll nicht bedeuten, dass der Ausbau öffentlicher Ladepunkte per se im selben Tempo voranschreiten muss. Dennoch ist deutlich zu erkennen, dass die Entwicklung der Ladeinfrastruktur in Deutschland wohl eher schleppend vorangeht.

Entwicklung Elektrofahrzeuge und Ladeinfrastruktur in Deutschland

Laut Bundesnetzagentur sind aktuell zum 1. Juni 2022 in ganz Deutschland exakt 60.000 öffentliche Ladepunkte im Betrieb, davon sind 52.605 Normalladepunkte und 9.395 Schnellladepunkte. 

Die Ampel-Koalition hat sich selbst bis 2030 1 Million öffentliche Ladepunkte zum Ziel gesetzt. Ein sehr ambitioniertes Ziel, das mit der aktuellen Ausbaugeschwindigkeit nur schwer erreicht werden kann. Im jetzigen Tempo würde es so in Deutschland bis 2030 nur für 200.000 öffentliche Ladepunkte reichen.

Anzahl öffentliche Ladepunkte in Deutschland Stand Juni 2022

Um die offensichtliche Lücke in der Ladeinfrastruktur zu füllen, treibt die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur unter der Schirmherrschaft vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) den Ausbau de Ladeinfrastruktur voran und stellt dafür Million Euro an Fördermitteln zur Verfügung.

Mit dem Förderprogramm „Ladeinfrastruktur vor Ort“ vom März 2021 wurden bereits 300 Millionen Euro vergeben. Nun wurde das Förderprogramm „Öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Deutschland“ erst kürzlich neu aufgelegt und das BMVI fördert öffentliche Ladeinfrastruktur in Deutschland mit insgesamt 500 Millionen Euro. Das soll für 50.000 neue Ladesäulen reichen. So werden Anreize geschafft, damit insbesondere Unternehmen in öffentliche Ladeinfrastruktur investieren und damit die Entwicklung der E-Mobilität vorantreiben.

Zwei: Fehlende Ladeinfrastruktur ist das größte Hindernis beim Kauf eines E-Fahrzeugs

Die EY Mobility Consumer Index (MIC) 2022 Study hat 13.000 Menschen in 18 Ländern der Welt zu ihren Reise- und Mobilitätsgewohnheiten befragt, darunter sind auch rund tausend Studienteilnehmende aus Deutschland. Interessanter Fakt schon Vorhinweg: 52 % der Menschen mit Autokaufwunsch bevorzugen ein Elektrofahrzeug.

Noch interessanter: Während in der Studie von 2021 die meisten Befragten die Anschaffungskosten als das größte Hindernis für den Kauf eines Elektrofahrzeugs genannt haben (die Hälfte) sieht es ein Jahr später ganz anders aus. 2022 wird die fehlende Ladeinfrastruktur am häufigsten und von insgesamt 34 Prozent erwähnt, wenn es um die größten Blocker für den Umstieg auf ein E-Fahrzeug geht.

Die größten Hindernisse beim Kauf eines E-Fahrzeuges

Zu einem ähnlichen Schluss gelangt eine Umfrage der KfW aus dem Jahr 2021. Hier entpuppt sich der beschränkte Zugang zur Ladeinfrastruktur als größter Hemmer, immerhin wurde er von insgesamt 68,5 % der Befragten in Deutschland genannt.

Drei: Die Empfehlungen der IEA für EINE ADÄQUATE öffentliche Ladeinfrastruktur

Laut dem Global EV Outlook 2022 der IEA steigt mit den rasch wachsenden Verkäufen von E-Autos weltweit ebenfalls die Anzahl von Elektrofahrzeugen pro Ladepunkt. Um eine adäquate Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Zukunft zu garantieren, empfiehlt die IEA ein Verhältnis von 10:1 oder darunter – also zehn E-Fahrzeuge pro öffentlich zugänglichen Ladepunkt. In Deutschland liegt dieser Wert aktuell bei 14 E-Autos pro Ladesäule.

Anzahl E-Fahrzeuge pro öffentlich zugänglichen Ladepunkt

Falls sich die Pläne der Bundesregierung mit 1 Mio. öffentliche Ladepunkte und 15 Mio. E-Autos bis 2030 wirklich realisieren lassen, würde das ein Verhältnis von 15:1 bedeuten, welches über der Empfehlung liegt. Die von der Ampel gesteckten Ziele sind wohl eher plakativ zu deuten und außerdem sollte bedacht werden, dass bei zunehmender Anzahl von Schnellladesäulen der Bedarf an Ladeinfrastruktur insgesamt geringer wird. 

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) forciert mit dem Masterplan Ladeinfrastruktur den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur in Deutschland. Daraus leitet sich die Ladesäulenverordnung (LSV), die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erlassen wurde. Diese beschreibt technische Mindestanforderungen für den Aufbau und Betrieb von öffentlich zugänglichen Ladepunkten. Erstmals am 17. März 2016 in Kraft getreten, wurde die LSV mehrmals geändert, so auch kürzlich am 1. Januar 2022 mit einer zweiten Novelle.

Der neue Masterplan Ladeinfrastruktur II des BMVI wurde bereits für den Frühsommer erwartet, hat sich nun jedoch verspätet und liegt erst als Entwurf bei Ländern, Kommunen und Unternehmen vor. Mit der Veröffentlichung des Masterplan Ladeinfrastruktur II und den damit verbundenen Maßnahmen für den zügigen Ausbau der Ladeinfrastruktur ist also erst mit Herbst zu rechnen.

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Quelle: StandortTool

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