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CPMS selbst entwickeln oder kaufen? Ein Leitfaden für CPOs

von Virta
11 Min
16.10.2026, 11:24:17
CPMS selbst entwickeln oder kaufen? Ein Leitfaden für CPOs | Virta
19:03

Eine eigene Ladeplattform verspricht Unabhängigkeit. Rechnet man jedoch Gesamtkosten über fünf Jahre, acht Teilsysteme und mögliche Energieerlöse zusammen, lautet die ehrliche Antwort für die meisten Betreiber: kaufen oder hybrid.

Wenn Sie ein wachsendes Ladenetz betreiben, stellt früher oder später jemand die Frage: Sollten wir unsere Software nicht einfach selbst entwickeln? Hardware, Standorte und Kundenbeziehungen gehören Ihnen schließlich bereits.

Das Ladestationsmanagementsystem (CPMS) steuert die Ladestationen, rechnet Ladevorgänge ab, stellt Fahrern Rechnungen und hält das Netz regelkonform. Es wirkt oft wie das letzte Puzzlestück, das Sie noch nicht vollständig kontrollieren.

Die ehrliche Antwort lautet nicht nur „entwickeln“ oder „kaufen“. Es gibt einen dritten Weg. Für wenige Betreiber lohnt sich die Eigenentwicklung. Für die meisten ist eine offene Plattform der schnellere Weg zu profitablem Wachstum. Für eine wachsende Zahl lautet die Antwort „hybrid“: den komplexen Kern kaufen und nur das selbst entwickeln, was Sie vom Wettbewerb unterscheidet.

Den Ausschlag gibt dabei selten die Lizenzgebühr. Ein CPMS besteht aus mindestens acht Teilsystemen. Die Kosten über fünf Jahre verteilen sich auf drei Ebenen, und die sichtbare ist die kleinste.

Zwei Faktoren fehlen in fast jeder Wirtschaftlichkeitsrechnung. Erstens: Eine Plattform mit Energiefunktionen kann sich selbst finanzieren und macht das Ladenetz zum Teil des Stromsystems statt zum reinen Kostenfaktor. Zweitens: Verfügbarkeit, Support und Compliance sind dauerhafte Personalaufgaben, keine Funktionen, die man einmal ausliefert. Dieser Leitfaden geht jeden Punkt der Reihe nach durch.

Woraus besteht ein CPMS?

Bevor Sie Eigenentwicklung und Kauf vergleichen, lohnt ein genauer Blick auf die Aufgabe. Ein CPMS ist keine einzelne Anwendung, sondern ein Verbund aus Teilsystemen. Jedes davon muss funktionieren, skalieren und regulatorische Anforderungen erfüllen.

Teams unterschätzen die Eigenentwicklung meist, weil sie an eines dieser Teilsysteme denken und die anderen sieben übersehen:

  • Ladestationsanbindung: dauerhafte Verbindungen über das Open Charge Point Protocol (OCPP) in den Versionen 1.6J und 2.0.1 zu jeder Ladestation, Autorisierung von Ladevorgängen, Ferndiagnose, Fehlerbehandlung und Firmware-Updates aus der Ferne. Das verstehen die meisten unter „CPMS“. Es ist etwa ein Achtel der Arbeit.
  • Preisgestaltung und Tarife: dynamische und zeitgesteuerte Tarife, an Spotpreise gekoppelte Preise, Tarife für einzelne Kundengruppen und die Logik, die vor Ladebeginn einen vorschriftsgemäßen Preis anzeigt. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt das Tarifmanagement in Virta Hub.
  • Zahlungen: Anbindung eines Zahlungsdienstleisters (PSP), Autorisierung und Erfassung, Abrechnung und Auszahlung, Erstattungen, Rückbuchungen und Betrugsprävention.
  • Roaming: Verbindungen über das Open Charge Point Interface (OCPI) zu Roaming-Hubs, bilaterale Vereinbarungen mit E-Mobilitätsdienstleistern (EMSPs), Abgleich von Ladedatensätzen (CDRs) und Klärung fehlgeschlagener Ladevorgänge.
  • Energie- und Lastmanagement: dynamisches Lastmanagement am Standort, intelligentes Laden und Teilnahme an Flexibilitätsmärkten. Hier entscheidet sich, ob Sie einfach Ladepunkte hinzufügen oder einen Netzausbau finanzieren müssen.
  • Backoffice: Rechnungsstellung und Mehrwertsteuer in jedem Land, in dem Sie tätig sind, Reporting, Angebotserstellung, Support-Tickets sowie das Kunden- und Anlagendatenmodell, auf dem alles andere aufbaut.
  • Inbetriebnahme-Tools: Massen-Onboarding, Konfiguration und Tests von Ladestationen. Bei 20 Ladestationen eine Kleinigkeit, bei 2.000 ein eigenes Produkt.
  • Hosting, Sicherheit und Integrationsschicht: eine Cloud-Infrastruktur, die mit dem Netz wächst, Sicherheitshärtung und Zertifizierung sowie die Programmierschnittstellen (APIs) und Webhooks, die alles mit Ihren übrigen Systemen verbinden.

Jedes dieser Teilsysteme hat eine eigene Roadmap, eigene Fehlerbilder und eigene Compliance-Anforderungen. „Können wir das bauen?“ ist deshalb die falsche Frage. Ein gutes Team kann das. Die richtige Frage lautet: Ist die dauerhafte Pflege von acht Teilsystemen der beste Einsatz Ihres Teams?

Was kostet ein CPMS über fünf Jahre wirklich?

Über Eigenentwicklung oder Kauf entscheidet fast nie der Anschaffungspreis. Entscheidend sind die Gesamtbetriebskosten (TCO): die Kosten über fünf Jahre für Betrieb, Support und Weiterentwicklung aller Teilsysteme. Sie verteilen sich auf drei Ebenen. Die sichtbare ist die kleinste.

Ebene 1: direkte Softwarekosten. Lizenz- oder Entwicklungskosten, Integration, Hosting sowie Transaktionsgebühren für Zahlungen und Roaming. Bei dieser Zahl enden die meisten Beschaffungsprozesse. Zur Einordnung: Eine Branchenanalyse beziffert die Anfangsinvestition für eine Basisplattform mit 10.000 Ladepunkten auf rund 2,85 Mio. €, bevor weitere Kosten anfallen.

Ebene 2: Betriebskosten. Die Arbeit, die nie endet: Personal für Inbetriebnahme, Onboarding, Roaming-Verträge und Support. Finanzprozesse wie Abgleich, Betrugsabwehr und Betriebskapital. Begleitende Ausstattung wie RFID-Karten und Konnektivität pro Ladestation. Und der Strom selbst.

Hier übersteigen die laufenden Kosten die Aufbaukosten deutlich. Branchenschätzungen setzen die jährliche Wartung einer Eigenentwicklung mit bis zu 50 % der ursprünglichen Aufbaukosten an. Bei einer von einem Dienstleister gebauten Plattform liegen sie bei rund 20 % pro Jahr. Auf Basis von 2,85 Mio. € sind das bis zu 1,4 Mio. € beziehungsweise rund 570.000 € pro Jahr. Die Werte stammen aus Schätzungen, die Anbieter veröffentlicht haben. Nutzen Sie sie als Größenordnung und rechnen Sie mit eigenen Zahlen nach.

Ebene 3: entgangene Erlöse. Die Kosten, die auf keiner Rechnung stehen: späterer Markteintritt während der Entwicklungsphase, abwandernde Kunden nach schlechten Ladeerlebnissen, entgangene Umsätze durch starre Preisgestaltung und das Risiko von Compliance-Lücken. Für ein wachsendes Netz ist diese Ebene oft die größte. Genau sie fehlt in einem Business Case, der nur eingesparte Lizenzgebühren zählt.

Addiert man alle drei Ebenen, kehrt sich die gängige Faustregel „selbst entwickeln für Skalierung, kaufen für Tempo“ weitgehend um. Eine Eigenentwicklung bündelt Kosten und Risiken im eigenen Team. Eine offene Plattform verteilt sie auf alle Kunden des Anbieters, und die Stückkosten sinken, je weiter der Anbieter wächst.

Wie kann Energiemanagement die Plattformkosten ausgleichen?

Diesen Punkt übersehen die meisten Vergleiche. Ein Ladenetz ist auch Teil des Stromsystems. Dieselben Ladestationen, die Umsatz mit Fahrern erzielen, können auch Erlöse aus dem Energiesystem erwirtschaften. Diese Erlöse senken die Plattformkosten, statt sie zu erhöhen.

Mit Energie- und Lastmanagement in der Plattform kann ein Netz auf drei Wegen Geld sparen oder verdienen:

  • Last verschieben und ausgleichen, um teure Netzanschlusserweiterungen zu vermeiden.
  • Flexibilität vermarkten an Regelreserve- und Ausgleichsmärkten. Virta-Betreiber in den nordischen Ländern erzielen bereits Erlöse mit der Frequency Containment Reserve for Disturbances (FCR-D). Die Übertragungsnetzbetreiber vergeben diese Reserve per Auktion, die Erlöse fallen wiederkehrend an.
  • Überschüsse aus erneuerbaren Energien nutzen, die vor Ort anfallen. Sie werden zu Ladeumsätzen, und über Virta CO₂ Cashback entstehen zusätzliche Erlöse.

Für die TCO-Abwägung ist das der entscheidende Punkt. Eine Plattform, die nur Geld kostet, ist ein Kostenblock. Eine Plattform, die das Netz zum Erlösbringer im Stromsystem macht, senkt ihre eigenen Gesamtbetriebskosten deutlich und kann sie im besten Fall ausgleichen. Wer selbst entwickelt, verzichtet auf diesen Vorteil. Es sei denn, er baut auch die Schnittstellen zu den Energiemärkten, ein eigenes Teilsystem für sich.

Warum ist Verfügbarkeit eine Umsatzkennzahl?

Jeder fehlgeschlagene Ladevorgang ist eine verlorene Transaktion und ein Kunde, der vielleicht nicht wiederkommt. Berechnen Sie vor jedem Plattformvergleich, was eine Stunde Netzausfall kostet: entgangene Ladevorgänge, entgangene Roaming-Erlöse, zusätzliche Supportanrufe. Fragen Sie sich dann, wie viele solcher Stunden ein kleines internes Team pro Jahr realistisch abfangen kann.

In manchen Märkten ist die Messlatte klar definiert. Das US-Förderprogramm National Electric Vehicle Infrastructure (NEVI) verlangt für jeden Ladepunkt eine durchschnittliche jährliche Verfügbarkeit von über 97 %. Verfügbar heißt: Hardware und Software sind online und können Strom liefern (NEVI-Mindeststandards). In Europa gibt es keine vergleichbare Vorgabe. Roaming-Partner und Flottenkunden messen Sie trotzdem daran.

Zwischen Anspruch und Realität liegt eine deutliche Lücke. Laut der J.D. Power 2025 U.S. EVX Public Charging Study haben 14 % der Fahrerinnen und Fahrer eine Ladestation angefahren und sie ohne Ladung wieder verlassen. In 60 % dieser Fälle war die Ladestation außer Betrieb.

Hier ist eine gekaufte Plattform am schwersten einzuholen, denn diese Kennzahl ist ein Ergebnis von Skalierung. Die Virta-Plattform läuft mit 99,99 % Verfügbarkeit. Die automatische Fehlerbehebung (Self-healing) löst 20 bis 30 % der Störungen an Ladestationen selbstständig. Sie startet die Ladestation aus der Ferne neu, sobald kein Ladevorgang läuft, und bringt sie ohne Technikereinsatz wieder in Betrieb.

Verfügbarkeit auf diesem Niveau ist keine Funktion, sondern ein Teilsystem mit eigenem Bereitschaftsplan. Monitoring, Alarmierung, Diagnose, Firmware-Rollback und Menschen, die um drei Uhr nachts ans Telefon gehen: All das muss stehen, bevor diese Zahl erreichbar ist. Der Aufbau dieser Strukturen macht einen großen Teil der tatsächlichen Entwicklungskosten aus.

Warum ist Support ein Betrieb rund um die Uhr?

Support fehlt in vielen Business Cases. Ihre Kunden fragen aber als Erstes danach. Ladestationen fallen genau dann aus, wenn Fahrerinnen und Fahrer an einem fremden Ort im Regen davorstehen. Sie erwarten dann eine Telefonnummer, kein Webformular.

Richtig umgesetzt heißt das: Telefonsupport rund um die Uhr in jeder Sprache, die Ihr Netz bedient. Technischer Second-Level-Support für Ihr eigenes Betriebsteam. Und eine zuständige Person, wenn ein Roaming-Partner eine Reihe von Ladevorgängen beanstandet. Jeder dieser Punkte braucht Personalplanung, Schulung und einen Schichtplan, der auch über Weihnachten hält.

Zum Vergleich: Virta bietet E-Autofahrern Telefonsupport rund um die Uhr in fünf Sprachen (Englisch, Finnisch, Schwedisch, Deutsch und Französisch), technischen Support für Geschäftskunden sowie feste Customer Success Manager.

Wer diese Strukturen selbst aufbaut, finanziert jede Schicht, ob das Telefon klingelt oder nicht. Wer sie einkauft, teilt dieselbe Leistung mit allen Kunden des Anbieters. Kein Punkt in diesem Vergleich zeigt deutlicher, dass geteilte Kosten eigene Kosten schlagen.

Welche Compliance-Anforderungen muss ein CPMS erfüllen?

Ob Eigenentwicklung oder Kauf: Die Compliance-Anforderungen sind dieselben, und sie ändern sich laufend. Für öffentliche Ladepunkte in der EU legt die Verordnung über die Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR), Verordnung (EU) 2023/1804, die Grundlagen fest. Einen ausführlichen Überblick bietet unser AFIR-Leitfaden.

Seit dem 13. April 2024 müssen neu errichtete öffentliche Ladepunkte ab 50 kW Ad-hoc-Zahlungen per Kartenleser oder kontaktlosem Lesegerät akzeptieren. Der Preis pro kWh muss vor Ladebeginn sichtbar sein. Ab dem 1. Januar 2027 gilt die Kartenzahlungspflicht auch für bestehende Ladepunkte ab 50 kW entlang des TEN-T-Straßennetzes und auf sicheren Parkflächen.

Die Bezahlung ist nur die sichtbare Hälfte. Die AFIR verpflichtet Betreiber außerdem, statische und dynamische Daten ihrer öffentlichen Ladepunkte über den nationalen Zugangspunkt des jeweiligen Mitgliedstaats bereitzustellen. Das bedeutet eine Datenpipeline, die in jedem Land auf einen anderen Endpunkt zeigt. Sie muss korrekt bleiben, auch wenn Ladepunkte hinzukommen oder wegfallen.

Darunter liegt die Protokollebene, und auch sie bewegt sich. OCPP und OCPI entwickeln sich in neuen Versionen weiter, Roaming-Hubs überarbeiten ihre Zertifizierungsanforderungen. Jede Änderung muss implementiert, an echter Hardware getestet und im laufenden Netz ausgerollt werden, ohne Verbindungen zu unterbrechen. Managed Roaming gibt es als Dienstleistung genau deshalb: Diese Arbeit endet nie.

Beim Kauf ist all das Aufgabe des Anbieters, verteilt auf seine gesamte Kundenbasis. Bei der Eigenentwicklung liegt die Verantwortung allein bei Ihnen, und zwar jedes Mal, wenn sich die Regeln ändern. So sieht das Compliance-Risiko aus Ebene 3 in der Praxis aus.

Wie schützen offene Standards vor Anbieterabhängigkeit?

Der beste Schutz vor Abhängigkeit sind offene Standards. Das gilt für den Hardwarehersteller bei der Eigenentwicklung ebenso wie für den Softwareanbieter beim Kauf. OCPP wird von der Open Charge Alliance gepflegt und ist die gemeinsame Sprache zwischen Ladestationen und Managementsoftware.

Unterstützen Hardware und Plattform beide OCPP, lässt sich das eine wechseln, ohne das andere zu ersetzen. Erst das macht eine Migration des Ladenetzes auf eine andere Plattform möglich. Die NEVI-Standards schreiben genau das vor: Ladestationen müssen den Netzwerkanbieter wechseln können, ohne dass Hardware getauscht werden muss. Prüfen Sie deshalb vorab, ob Ihre Modelle auf der Liste der kompatiblen Ladestationen einer Plattform stehen.

Offene Standards machen den Kauf zu einer umkehrbaren Entscheidung und ermöglichen den hybriden Weg überhaupt erst.

Wie funktioniert der hybride Ansatz?

Die klügsten Betreiber sehen die Frage nicht mehr als Entweder-oder. Beim hybriden Ansatz kaufen Sie die bewährte Plattform für alles, was komplex, reguliert und nicht differenzierend ist. Selbst entwickeln Sie nur die dünne Schicht, die wirklich Ihnen gehört. In dieser Aufteilung liegt der Kern des Ansatzes.

  • Den Kern kaufen: OCPP-Verbindungsmanagement, Zahlungen, Roaming, Verfügbarkeit und Monitoring, Energiemanagement und Regulatorik. Nichts davon gewinnt Ihnen einen Kunden. Fällt es aus, kann es Sie alle kosten.
  • Die Ränder selbst entwickeln: Ihre Preis- und Paketlogik, Ihre App für Fahrer oder Flottenmanager, ein Datenprodukt, ein Treueprogramm. Also den Teil, der Ihr Netz vom Wettbewerb abhebt.

Ob hybrid in der Praxis funktioniert, entscheidet die Schnittstelle der Plattform. Mit echten APIs, Webhooks und Entwicklerwerkzeugen bauen Sie auf der Plattform auf, ohne den Kern abzuspalten. So erhalten Sie vom ersten Tag an Zuverlässigkeit auf Enterprise-Niveau und bieten trotzdem ein eigenes Erlebnis.

Fehlt diese Schnittstelle, sind Sie zurück im Entweder-oder. Prüfen Sie beim Kauf also nicht nur, was die Plattform heute kann. Prüfen Sie auch, was Sie morgen darauf bauen können.

Welcher Weg passt zu welchem Betreiber?

  • Selbst entwickeln, wenn Software tatsächlich Ihr Produkt ist. Sie können dauerhaft ein Team finanzieren, das alle acht Teilsysteme als Roadmap betreut, nicht als Projekt. Und Ihre Größe verteilt diese Fixkosten auf genug Kunden, damit sich die Rechnung trägt.
  • Kaufen, wenn Ihr Produkt ein zuverlässiges, regelkonformes und profitables Ladenetz ist und keine Softwareplattform. Ihr Kapital fließt dann in Standorte, Hardware und Kunden statt in ein festes Entwicklungsteam.
  • Hybrid, wenn Sie grundsätzlich zu den Käufern gehören, sich aber an ein oder zwei Stellen klar abheben wollen. Kaufen Sie den Kern und entwickeln Sie die Ränder auf Basis der Plattform-API.

Für die meisten wachsenden Ladestationsbetreiber (CPOs) mit 50 bis 500 Ladestationen lautet die ehrliche Antwort: kaufen oder hybrid. Wer überlegt, Ladelösungen weiterzuverkaufen, statt ein eigenes Netz zu betreiben, findet die Abwägung in unserem Beitrag Eigenes Ladenetz betreiben oder als Reseller vertreiben.

Die Entscheidung in einem Satz: Entwickeln Sie selbst, wenn Sie die Software besitzen wollen. Kaufen Sie, wenn Sie das Netz besitzen wollen. Wählen Sie hybrid, wenn Sie nur den Teil besitzen wollen, der Sie unterscheidet.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist es günstiger, ein CPMS selbst zu entwickeln, als eines zu kaufen?

Selten, wenn man alle drei TCO-Ebenen über fünf Jahre einrechnet. Erst recht nicht, wenn man die Energieerlöse berücksichtigt, die eine gute Plattform wieder einspielt. Die Anfangsentwicklung ist der kleinste Posten. Dauerhaft kostet vor allem ein festes Team, das acht Teilsysteme pflegt. Hinzu kommen Betriebskosten und entgangene Erlöse. Ausgangspunkt sollte deshalb immer die Gesamtsumme abzüglich der Energieerlöse sein, nicht die Lizenzgebühr.

Wie verändert Energiemanagement die Gesamtbetriebskosten?

Eine Plattform mit Energie- und Lastmanagement macht Ihre Ladestationen zu einem Teil des Stromsystems. Lastverschiebung vermeidet Kosten für den Netzausbau. Flexibilitätsmärkte wie FCR-D bringen wiederkehrende Erlöse. Und CO₂ Cashback verwandelt Überschüsse aus erneuerbaren Energien in zusätzliche Einnahmen. Diese Erlöse gleichen die Plattformkosten aus. Die richtige Plattform kann so einen Teil ihrer laufenden Kosten selbst finanzieren, im besten Fall sogar alle. Wer selbst entwickelt, verzichtet auf diesen Vorteil, es sei denn, er baut auch die Schnittstellen zu den Energiemärkten.

Was sollte ich im hybriden Modell selbst entwickeln und was kaufen?

Kaufen Sie den Kern, der Sie nicht vom Wettbewerb unterscheidet: OCPP-Verbindungsmanagement, Zahlungen, Roaming, Verfügbarkeit und Monitoring, Energiemanagement und Compliance. Entwickeln Sie nur das selbst, was Sie abhebt: Preis- und Paketlogik, Ihre eigene App oder Ihr Portal sowie Datenprodukte. Stellen Sie sicher, dass die Plattform echte APIs und Webhooks bietet. Nur so können Sie darauf aufbauen, ohne den Kern abzuspalten.

Wer übernimmt den Support für Fahrerinnen und Fahrer, wenn ich mein eigenes CPMS entwickle?

Sie selbst, rund um die Uhr und in jeder Sprache, die Ihr Netz bedient. Ein Business Case für die Eigenentwicklung, der Entwickler einplant, aber keine besetzten Telefonleitungen, keinen technischen Second-Level-Support und keine festen Ansprechpersonen für Geschäftskunden, unterschätzt die laufenden Kosten erheblich. Bei einer gekauften Plattform teilen sich alle Kunden des Anbieters diese Kapazitäten. Deshalb kosten sie nur einen Bruchteil dessen, was ein eigener Betrieb kosten würde.

Mache ich mich mit dem Kauf einer Plattform von einem Anbieter abhängig?

Das kann passieren, wenn die Plattform nicht auf offenen Standards basiert. Achten Sie auf OCPP für Ihre Ladestationen und auf offene Roaming-Protokolle. Klären Sie, ob sich Ihre Ladestationen ohne Hardwaretausch auf ein anderes Managementsystem umziehen lassen. Und prüfen Sie die APIs der Plattform, damit Sie sich die Option offenhalten, selbst darauf aufzubauen. Erst offene Standards machen den Kauf und den hybriden Ansatz zu umkehrbaren Entscheidungen.

Was passiert, wenn ich mit der AFIR nicht Schritt halte?

Öffentliche Ladepunkte, die die Vorgaben nicht erfüllen, verstoßen gegen EU-Recht, und die Fristen sind gestaffelt. Seit April 2024 müssen neue Ladepunkte ab 50 kW Ad-hoc-Zahlungen per Karte oder kontaktlos ermöglichen und den Preis transparent anzeigen. Ab Januar 2027 gilt die Kartenzahlungspflicht auch für bestehende Ladepunkte ab 50 kW entlang des TEN-T-Straßennetzes und auf sicheren Parkflächen. Ob Sie selbst entwickeln oder kaufen: Ihre Plattform muss diese Anforderungen erfüllen. Beim Kauf ist es Aufgabe des Anbieters, die Plattform auf dem aktuellen Stand zu halten.

Den Teil zu 2027 habe ich wie im Artikel korrigiert. Im englischen Original steht „all public points of that size“. Laut Artikel 5 der AFIR gilt die Nachrüstpflicht aber nur entlang des TEN-T-Netzes und auf sicheren Parkflächen. Das solltest du auch in der EN-Version anpassen.

Welche Funktionen deckt eine gekaufte CPMS-Plattform ab?

Eine vollständige Plattform deckt alle acht Teilsysteme ab: die Anbindung der Ladestationen per OCPP, Preisgestaltung und Tarife, Zahlungen, Roaming per OCPI, Energie- und Lastmanagement, das Backoffice mit Rechnungsstellung und Mehrwertsteuer, Tools zur Inbetriebnahme sowie Hosting, Sicherheit und APIs. Prüfen Sie vor dem Kauf, welche dieser Bereiche der Anbieter selbst betreibt und welche Sie zusätzlich organisieren müssen.

Fazit

Ein eigenes CPMS bringt Kontrolle, aber auch eine dauerhafte Verpflichtung: acht Teilsysteme, drei Kostenebenen, ein Support-Betrieb rund um die Uhr und Compliance-Anforderungen, die sich ständig weiterentwickeln. All das tragen Sie allein. Gleichzeitig verzichten Sie auf die Energieerlöse, die eine gute Plattform wieder einspielt.

Für die meisten wachsenden Betreiber bietet eine offene Plattform dieselbe Unabhängigkeit ohne diese laufenden Kosten. Sie macht das Ladenetz außerdem zu einem Teil des Stromsystems, der sich zum Teil selbst finanziert. Wer wirklich etwas Eigenes anbieten will, wählt den hybriden Weg: Den Kern kaufen und nur die Ränder selbst entwickeln.

So oder so gilt: Investieren Sie Ihr Kapital dort, wo es sich auszahlt. In mehr Standorte, mehr Ladestationen und mehr treue Fahrerinnen und Fahrer.

Wie der Betrieb Ihres Ladenetzes auf einer offenen, API-basierten Plattform in der Praxis aussieht, zeigt Virta Hub, unser CPMS.