Die Zukunft der Elektromobilität - Aktuelle Prognosen der IEA
Die IEA (International Energy Agency) mit Sitz in Paris wurde als Reaktion auf die Ölkrise gegründet. Ursprünglich als Instanz zur Überwindung von Ölengpässen gedacht, dient die IEA heute als unabhängige Quelle für Daten und Analysen über die gesamte Bandbreite des Energiesektors – darunter auch die Zukunft der Elektromobilität in ihrem jährlichen Global EV Outlook.
Der Markt für E-Fahrzeuge
Das Jahr 2025
Auch 2025 war ein Rekordjahr für die Elektromobilität. Weltweit wurden laut IEA mehr als 20 Millionen E-Autos verkauft – also batterieelektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride zusammen. Damit war jedes vierte neu verkaufte Auto weltweit elektrisch.
Im Vergleich zu 2024 entspricht das einem Wachstum von rund 20 Prozent. Besonders bemerkenswert: 2025 war bereits das fünfte Jahr in Folge, in dem die weltweiten E-Auto-Verkäufe um etwa 3,5 Millionen Fahrzeuge zunahmen.
Die Dynamik unterscheidet sich jedoch stark nach Regionen. In China wurden 2025 mehr als 13 Millionen E-Autos verkauft – das Land bleibt damit mit großem Abstand der wichtigste Markt der Welt. Fast 55 Prozent aller Neuwagen in China hatten 2025 einen Stecker.
Europa verzeichnete 2025 nach einer eher stagnierenden Entwicklung im Vorjahr wieder deutliches Wachstum: Die E-Auto-Verkäufe stiegen um mehr als 30 Prozent auf über 4 Millionen Fahrzeuge. Der Anteil an den gesamten Autoverkäufen erreichte rund 28 Prozent. Ein wichtiger Treiber waren strengere CO₂-Vorgaben der Europäischen Union.
In den USA blieb der Marktanteil von E-Autos dagegen relativ stabil bei knapp 10 Prozent. Das Auslaufen von Steuervergünstigungen führte gegen Jahresende zu einem deutlichen Rückgang der Verkäufe.
Gleichzeitig holen viele Schwellenländer auf. In Südostasien haben sich die Verkäufe 2025 mehr als verdoppelt und erreichten einen Marktanteil von fast 20 Prozent. In Lateinamerika wuchs der Absatz um 75 Prozent, vor allem getrieben durch Brasilien und Mexiko.
Kennzahlen für das Jahr 2025
- Weltweit wurden 2025 mehr als 20 Millionen E-Autos verkauft.
- Das entspricht einem Wachstum von rund 20 Prozent gegenüber 2024.
- 25 Prozent aller neu verkauften Autos weltweit waren elektrisch.
- In China lag der E-Auto-Anteil an den Neuwagenverkäufen bei fast 55 Prozent.
- In Europa stiegen die Verkäufe um mehr als 30 Prozent auf über 4 Millionen Fahrzeuge.
- In Europa war 2025 rund jedes vierte bis dritte neu verkaufte Auto elektrisch – der Marktanteil lag bei 28 Prozent.
- In Südostasien haben sich die E-Auto-Verkäufe mehr als verdoppelt und erreichten einen Marktanteil von fast 20 Prozent.
- In Lateinamerika stiegen die Verkäufe um 75 Prozent.
- Mehr als 100 Länder verzeichneten 2025 Wachstum bei den E-Auto-Verkäufen.
- Chinesische Hersteller stellten 2025 rund 60 Prozent der weltweiten E-Auto-Verkäufe.
Ausblick auf 2026
Für 2026 rechnet die IEA mit weiterem Wachstum. Weltweit sollen die Verkäufe von E-Autos auf rund 23 Millionen Fahrzeuge steigen. Damit würde der globale Marktanteil auf etwa 28 Prozent klettern.
Die ersten Monate des Jahres 2026 zeigen ein gemischtes Bild: Global lagen die Verkäufe im ersten Quartal zwar rund 8 Prozent unter dem Vorjahreswert – vor allem wegen niedrigerer Verkäufe in China und den USA nach politischen Änderungen. Gleichzeitig wuchsen viele andere Märkte stark: In Europa stiegen die Verkäufe im ersten Quartal um knapp 30 Prozent, in Asien-Pazifik ohne China sogar um 80 Prozent und in Lateinamerika um 75 Prozent.
Die IEA erwartet, dass 2026 in Europa etwa jedes dritte neu verkaufte Auto elektrisch sein wird. In China sollen E-Autos fast 60 Prozent der Neuwagenverkäufe erreichen. Besonders dynamisch dürften weiterhin Schwellenländer in Asien und Lateinamerika wachsen.
Ein zusätzlicher Faktor ist die aktuelle Energiekrise infolge des Konflikts im Nahen Osten. Höhere Ölpreise machen die niedrigeren Betriebskosten von E-Autos für viele Verbraucherinnen und Verbraucher noch attraktiver. Laut IEA sind die jährlichen Kraftstoffkosteneinsparungen durch ein E-Auto in der EU im April 2026 im Vergleich zu 2025 um 35 Prozent gestiegen.
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Der Markt für Ladeinfrastruktur
Laden wird schneller, leistungsfähiger und netzdienlicher
Mit dem weiteren Hochlauf der Elektromobilität rückt die Ladeinfrastruktur noch stärker in den Mittelpunkt. Die IEA betont im Global EV Outlook 2026 vor allem drei Entwicklungen: höhere Ladeleistungen, neue Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge und die bessere Integration von E-Fahrzeugen in das Stromnetz.
Technologische Fortschritte bei Leistungselektronik, Batteriezellen und Batteriearchitekturen ermöglichen immer schnellere Ladevorgänge. 2025 kamen laut IEA die ersten 1.000-Volt-Fahrzeugmodelle auf den Markt. Gleichzeitig wurden auch 2026 weitere Modelle und Ladelösungen mit Ladezeiten von unter 10 Minuten angekündigt.
Noch ist der Anteil der Fahrzeuge, die Ladeleistungen von mehr als 250 kW nutzen können, gering: Laut IEA machen sie weniger als 5 Prozent des weltweiten Fahrzeugbestands aus. Doch mit dem wachsenden Angebot an Ultra-Fast-Chargern und Megawatt-Ladesystemen steigt auch die Zahl der Fahrzeuge, die solche Leistungen nutzen können.
Ladeinfrastruktur für E-Lkw
Besonders dynamisch entwickelt sich der Markt für elektrische Nutzfahrzeuge. Die weltweiten Verkäufe von E-Lkw haben sich 2025 mehr als verdoppelt und erreichten 9 Prozent aller Lkw-Verkäufe. Der mit Abstand wichtigste Markt ist China: Dort war 2025 bereits jeder vierte verkaufte Lkw elektrisch.
Für den europäischen Markt ist der Aufbau leistungsfähiger Ladeinfrastruktur entscheidend. Laut IEA gibt es in der Europäischen Union inzwischen mehr als 1.000 Ladepunkte, die ausschließlich für elektrische Lkw vorgesehen sind. Diese Infrastruktur ist zentral, damit E-Lkw künftig auch im Fernverkehr wirtschaftlich eingesetzt werden können.
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Smart Charging und Vehicle-to-Grid werden wichtiger
Mit steigenden Ladeleistungen und immer mehr E-Fahrzeugen wachsen auch die Anforderungen an die Stromnetze. Die IEA erwartet, dass die weltweite Stromnachfrage durch E-Fahrzeuge bis 2035 auf mehr als 1.500 TWh steigen könnte – rund sechsmal so viel wie 2025.
Global betrachtet würde das den gesamten Strombedarf 2035 allerdings nur um etwa 4 Prozent erhöhen. Regional kann der Effekt stärker ausfallen: In Europa könnte die Elektrifizierung des Straßenverkehrs den Strombedarf bis 2035 um mehr als 10 Prozent erhöhen, in China um weniger als 6 Prozent.
Um Lastspitzen zu reduzieren, werden intelligente Ladelösungen immer wichtiger. Smart Charging kann Ladevorgänge zeitlich verschieben und so Netzbelastungen senken. Vehicle-to-Grid geht noch einen Schritt weiter: Dabei können E-Fahrzeuge Strom ins Netz zurückspeisen.
2025 kamen laut IEA die ersten kommerziellen V2G-Angebote für private E-Auto-Besitzer auf den Markt. Gleichzeitig bleibt der Markt noch jung: Es gibt bislang nur wenige V2G-fähige Fahrzeugmodelle, regulatorische Rahmenbedingungen sind fragmentiert und Standards noch nicht vollständig geklärt.
Weitere Entwicklungen bei der Elektromobilität
Preise und Erschwinglichkeit
Die Erschwinglichkeit bleibt einer der wichtigsten Faktoren für den weiteren Hochlauf der Elektromobilität. In China ist die Preisentwicklung bereits besonders weit fortgeschritten: 70 Prozent der 2025 verkauften batterieelektrischen Autos waren günstiger als ein durchschnittlicher Verbrenner.
In Europa ist der Markt noch stärker von politischen Vorgaben und Modellverfügbarkeit geprägt. Die verschärften CO₂-Standards führten 2025 dazu, dass Hersteller ihre Preisstrategien anpassten und mehr erschwingliche E-Modelle einführten. Das dürfte den europäischen Markt auch in den kommenden Jahren stützen.
In vielen Schwellenländern wirken vor allem günstigere Importe aus China als Wachstumstreiber. In Thailand liegen die Preise von E-Autos seit zwei Jahren etwa auf dem Niveau vergleichbarer Verbrenner. In Indonesien sank der durchschnittliche Preisaufschlag für E-Autos von über 50 Prozent im Jahr 2024 auf rund 40 Prozent im Jahr 2025.
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Die IEA zeigt: Der Preisvorteil von E-Autos wird in immer mehr Märkten sichtbar. In China sind viele E-Autos bereits günstiger als vergleichbare Verbrenner. In Europa sorgen strengere CO₂-Vorgaben dafür, dass Hersteller zunehmend günstigere Modelle anbieten. |
Batterien und Lieferketten
China bleibt das Zentrum der globalen E-Auto- und Batterieproduktion. 2025 wurden fast 75 Prozent aller E-Autos in China produziert. Gleichzeitig stammten mehr als 80 Prozent der weltweiten Batteriezellproduktion aus China.
Auch bei aktiven Batteriematerialien ist Chinas Marktanteil laut IEA noch höher. Nahezu alle weltweit eingesetzten Batteriezellen stammen von Unternehmen mit Hauptsitz in China, Korea oder Japan – wobei der Anteil chinesischer Hersteller weiter wächst, insbesondere in Europa.
Für Europa und die USA bleibt der Aufbau eigener Batterie- und Materiallieferketten deshalb eine strategische Aufgabe. Zwar wachsen die Produktionskapazitäten außerhalb Chinas, doch laut IEA dürfte China auf Basis der angekündigten politischen Maßnahmen bis 2035 der größte Produzent von Batterien und Batteriematerialien bleiben.
Software, KI und autonome Fahrzeuge
Der Global EV Outlook 2026 widmet sich auch einem neuen Schwerpunkt: der zunehmenden Bedeutung von Software und künstlicher Intelligenz in der Automobilindustrie.
Viele Hersteller entwickeln Fahrzeuge mit zentralisierten Softwaresystemen, bei denen wichtige Funktionen per Fernupdate verbessert werden können. Batterieelektrische Fahrzeuge sind bei diesen sogenannten software-defined vehicles aktuell besonders weit fortgeschritten.
Wichtige Anwendungen sind Assistenzsysteme, automatisiertes Lenken und Bremsen, bessere Batteriemanagementsysteme und perspektivisch autonomes Fahren. Fahrerlose Taxis sind laut IEA bereits in mehr als 20 Städten kommerziell unterwegs – vor allem in China und den USA. Alle diese Robotaxis sind elektrisch.
Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen: Moderne Fahrzeuge benötigen mehr Halbleiter, mehr Rechenleistung und eine sichere digitale Infrastruktur. Cybersicherheit und robuste Lieferketten werden daher für die Automobilindustrie immer wichtiger.
Strom- und Ölverbrauch
Die Elektromobilität erhöht zwar die Stromnachfrage, senkt aber gleichzeitig den Ölverbrauch deutlich. 2025 vermied die globale E-Fahrzeugflotte laut IEA den Verbrauch von rund 1,7 Millionen Barrel Öl pro Tag.
Bis 2030 könnte die jährliche Öleinsparung durch E-Fahrzeuge weltweit auf rund 5 Millionen Barrel pro Tag steigen. Allein China, der größte Ölimporteur der Welt, sparte 2025 durch E-Fahrzeuge rund 1 Million Barrel Öl pro Tag ein. Bis 2030 könnten es dort 2,7 Millionen Barrel pro Tag sein.
Gerade in Zeiten hoher Ölpreise und geopolitischer Unsicherheiten wird die Elektromobilität damit nicht nur zu einem Klimaschutzinstrument, sondern auch zu einem Faktor für Energieunabhängigkeit und Versorgungssicherheit.
Laut IEA sind in der Europäischen Union die jährlichen Kraftstoffkosteneinsparungen beim Fahren eines Elektroautos gegenüber 2025 um 35 % gestiegen.
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Die IEA-Szenarien bis 2035
Der Global EV Outlook 2026 arbeitet mit explorativen Szenarien, die auf heutigen politischen Rahmenbedingungen und angekündigten Maßnahmen aufbauen. Auch ohne neue politische Ankündigungen erwartet die IEA ein starkes Wachstum.
Der weltweite Bestand an E-Fahrzeugen – ohne elektrische Zwei- und Dreiräder – könnte sich bis 2035 gegenüber 2025 mehr als versechsfachen und auf bis zu 510 Millionen Fahrzeuge steigen.
Der Anteil von E-Autos an den weltweiten Neuwagenverkäufen könnte bis 2035 auf rund 50 Prozent steigen. In China könnten E-Autos bis dahin mehr als 90 Prozent aller Neuwagenverkäufe ausmachen. Auch in Europa erwartet die IEA langfristig sehr hohe Marktanteile, getrieben durch CO₂-Standards und sinkende Kosten.
Besonders dynamisch dürfte der Hochlauf in Südostasien sein. Dort könnte sich der Anteil von E-Autos an den Verkäufen bis 2035 je nach Markt deutlich vervielfachen. Vietnam könnte laut IEA sogar einen E-Auto-Anteil von über 80 Prozent erreichen – den höchsten Wert in der Region.
Fazit
Der Global EV Outlook 2026 zeigt: Die Elektromobilität wächst weiter – trotz politischer Unsicherheiten, regionaler Unterschiede und einer angespannten geopolitischen Lage. 2025 wurden weltweit mehr als 20 Millionen E-Autos verkauft, 2026 könnten es bereits 23 Millionen werden.
China bleibt der zentrale Wachstumsmotor und dominiert zugleich Produktion, Batterien und Exportmärkte. Europa hat 2025 wieder deutlich an Dynamik gewonnen, während die USA hinter den anderen großen Märkten zurückbleiben. Gleichzeitig werden Schwellenländer in Südostasien und Lateinamerika immer wichtiger für den globalen Hochlauf.
Für Ladeinfrastruktur bedeutet das: Der Ausbau muss schneller, intelligenter und stärker mit den Stromnetzen verzahnt werden. Ultra-Schnellladen, Megawatt Charging, Smart Charging und Vehicle-to-Grid werden zentrale Bausteine der nächsten Entwicklungsphase.
Die Herausforderungen bleiben groß – insbesondere bei Erschwinglichkeit, Batterie-Lieferketten, Netzanschlüssen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Doch der Trend ist eindeutig: Elektromobilität wird zu einem immer wichtigeren Bestandteil des globalen Verkehrs- und Energiesystems.
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